Viele Hobbygärtner glauben, Wasser helfe Pflanzen durch den Winter — dabei kann falsches Gießen genau das Gegenteil bewirken. Ein nasser, gefrorener Wurzelballen erstickt Pflanzen eher, als dass er sie schützt. Ich habe nach zehn Jahren Gartenerfahrung genug verkümmerte Kübel und aufgerissene Stauden gesehen, um zu sagen: weniger ist oft mehr. Hier erkläre ich, wann Gießen wirklich nötig ist und wie Sie Schäden jetzt noch verhindern können.
Warum Gießen im Winter oft schadet
Nasse Erde friert härter und länger als trockene. Beim Gefrieren dehnt sich Wasser aus, das lockere Wurzeln anhebt (Frostaufbruch) und feine Wurzeln verletzt. Außerdem fehlt in kaltem Boden der Sauerstoff — stehendes Wasser fördert Wurzelfäule und Pilzbefall. Kurz: Wasser + Frost = ein toxisches Verhältnis für die meisten einheimischen Pflanzen.
Wann Sie wirklich gießen sollten
- Bei frostfreiem, mildem Wetter mit andauernder Trockenheit (mehrere Wochen ohne Niederschlag).
- Bei immergrünen Pflanzen nach starken, trockenen Winden (z. B. im Februar, wenn die Sonne schon Kraft hat).
- Bei Kübeln und Balkonkastenpflanzen — sie trocknen schneller aus als Beetpflanzen.
- Nach langem Tauwetter, wenn der Boden tief aufgetaut ist und die Pflanzen Wasser aufnehmen können.

Praktische Prüfungen: So merken Sie, ob gegossen werden muss
Stechen Sie mit einem Spaten oder Metallstab 8–10 cm in die Erde. Fühlt sie sich trocken an, bekommt die Pflanze ein Glas Wasser. Ist sie feucht oder matschig, lassen Sie die Finger davon. Ein einfacher Bodenfeuchtemesser aus dem Baumarkt (z. B. bei OBI oder Hornbach) ist ebenfalls hilfreich — ich benutze einen seit Jahren und er spart mir Fehlentscheidungen.
Wie man richtig gießt — Schritt für Schritt
- Gießen nur bei Temperaturen über 5 °C und wenn kein harter Frost in der Nacht erwartet wird.
- Langsam und sparsam: Gießen Sie tief, aber nicht oft. Besser einmal in tiefen Boden eindringen lassen, als oberflächlich zu nässen.
- Am besten morgens oder am späten Vormittag gießen — so kann überschüssige Feuchte tagsüber abtrocknen.
- Bei Kübeln: Bodenabfluss prüfen, Untersetzer nur kurzfristig stehen lassen.
Was Sie jetzt sofort tun können
- Mulchen: Eine 5–8 cm dicke Mulchschicht aus Rindenmulch oder Laub isoliert den Boden und reduziert Austrocknung.
- Kübel zusammenstellen: Verschieben Sie empfindliche Kübel an geschützte, frostfreie Stellen — Hauswände oder Garagenvorplätze sind oft wärmer.
- Winterschutz: Gartenvlies oder Jute um Wurzelballen wickeln, aber nicht luftdicht verpacken.
- Windschutz bauen: Eine einfache Holzwand oder Heckenabschnitt reduziert Austrocknung durch kalte Winde.
Spezielle Tipps für verschiedene Pflanzengruppen
Topfpflanzen: Reinigen Sie Abflusslöcher, stellen Sie Töpfe auf Styroporplatten, damit sie nicht direkt auf kaltem Boden stehen. Stauden: Schneiden Sie nur abgetragene Triebe zurück — frische Rückschnitte schwächen die Pflanze. Sträucher: Bei frisch gepflanzten Sträuchern an frostfreien Tagen tief wässern, aber nur wenn der Boden aufnahmefähig ist.

Häufige Fehler, die ich selbst gemacht habe
Früh im Dezember den Kübel „vorsorglich“ durchdringend gegossen — danach kam die Kälte, Wasser fror und der Topf platzte. Oder das Gegenteil: gar nichts machen und im März komplett abgefressene Ausläufer finden. Beide Extreme vermeiden Sie mit regelmäßiger Kontrolle und einfachen Schutzmaßnahmen.
Fazit
Gießen im Winter ist kein Nullsummenspiel: richtig dosiert kann es retten, falsch angewendet tötet. Beurteilen Sie Bodenfeuchte, Wetterprognose und Pflanzentyp — dann handeln Sie gezielt. Ein letzter „Wow“-Fakt: trockener Boden kann Wärme deutlich besser speichern als nasser, daher schützt eine dünne Mulchschicht oft mehr als stundenlanges Gießen bei Frost.
Haben Sie eine Winter-Gieß-Erfahrung, die Sie nicht vergessen werden? Schreiben Sie es in die Kommentare — oder teilen Sie diesen Artikel mit dem Gärtnerfreund, der im Dezember immer noch in die Gießkanne greift.









