Im Dezember wird das Gießen zum Glücksspiel: Heizungsluft, kurze Tage, und das gute Gefühl, der Grünpflanze etwas Gutes zu tun. Dabei entsteht ein Fehler, den ich in meinen Jahren als Pflanzenmensch und Redakteur immer wieder sehe — und der Ihren Pflanzen ernste Probleme bereiten kann.
Warum alle im Winter falsch gießen
Die verbreitete Annahme: Weniger Licht = weniger Wachstum, also braucht die Pflanze trotzdem regelmäßige Feuchtigkeit. In der Praxis führt das oft zu Überwässerung. Viele gießen nach Kalender oder Routine, nicht nach Bedarf. Trockene Heizungsluft lässt Blätter verdorren, das wird mit Gießen „repariert“. Das Wasser steht dann lange im Substrat, Wurzeln faulen — besonders bei Topfpflanzen ohne gute Drainage.
Der Kernfehler: nach Zeit statt nach Erde gießen
Das Problem ist simpel: Gießen Sie nach Uhr, nicht nach Feuchte. Sie glauben, alle zwei Wochen wäre ein guter Rhythmus — dabei variiert der Bedarf stark je nach Fensterlage, Heizung, Topfgröße und Pflanzentyp. Pflanzen sind keine Uhren. Überprüfen Sie deshalb das Substrat statt den Terminkalender.

Wie Sie zuverlässig prüfen, ob Ihre Pflanzen Wasser brauchen
- Fingerprobe: Stecken Sie den Finger 2–3 cm in die Erde. Fühlt sie sich trocken an, gießen. Feucht? Warten.
- Wiegemethode: Heben Sie den Topf vor und nach dem Gießen — trocken = deutlich leichter. Die Methode funktioniert auch ohne technische Hilfsmittel.
- Holzstäbchen oder Messgerät: Ein einfacher Holzspieß zeigt Feuchtigkeit, oder nutzen Sie einen günstigen Bodenfeuchtemesser von Gardena.
Praktische Regeln für gängige Pflanzen
Ein paar konkrete Beispiele, damit Sie nicht raten müssen:
- Sansevieria (Bogenhanf): Sehr wenig gießen, besser lange trocken lassen. Im Dezember reicht oft einmal im Monat.
- Monstera, Ficus: Halten Sie das Substrat leicht trocken in den oberen 2–3 cm. Gießen, wenn die Fingerprobe trocken ist.
- Schlumbergera (Weihnachtskaktus): Während der Blüte leicht feucht halten — aber keine Staunässe. Eine feuchte, nicht nasse Erde unterstützt die Blüte.
- Sukkulenten: Fast gar nicht gießen. Im Winter kommt oft nur ein Stich Wasser pro 6–8 Wochen.

Weitere Fehler, die häufig übersehen werden
- Zu kaltes Wasser direkt aus dem Hahn: Verwenden Sie zimmerwarmes Wasser — kaltes schockt die Wurzeln.
- Wasser im Untersetzer stehen lassen: Entfernen Sie überschüssiges Wasser nach 20–30 Minuten.
- Keine Drainage oder kompakter Boden: Frischer, luftiger Topfballen hilft gegen Staunässe. Beim Umtopfen in Baumärkten wie OBI oder Dehner auf gute Qualität achten.
- Misting statt gießen: Nebeln erhöht Luftfeuchte, ersetzt aber nicht das Gießen der Wurzeln.
Ein schneller Winter-Check für Ihre Pflanzen
- Fensterbank prüfen: Südfenster brauchen weniger Heizung, Nordfenster eher wärmer stellen.
- Topfstatus: Keine ausgefransten Wurzelballen? Evtl. umtopfen mit durchlässiger Erde.
- Drainage-Check: Gibt es Loch im Topfboden? Staunässe entfernen.
- Gewichtstest: Heben Sie jeden Topf — trockene Erde ist spürbar leichter.
Ein letzter, überraschender Tipp
Viele bringen Pflanzen näher an die Heizung, um sie „warmer“ zu halten. Tatsächlich treibt das oft zu viel Verdunstung an der Blattoberfläche, und man reagiert mit mehr Gießen — Teufelskreis. Besser: Pflanzen leicht von Heizkörpern wegziehen und mit einer Wasserschale oder einem Luftbefeuchter die Umgebungsluft anpassen. Günstige Luftbefeuchter gibt es bei Bauhaus oder online, sie zahlen sich in vielen Wohnungen schnell aus.
Wenn Sie nur eine Sache ändern: Hören Sie auf, nach der Uhr zu gießen. Prüfen Sie die Erde. Ihre Pflanzen werden es Ihnen mit weniger Krankheiten und besserem Blattwachstum danken.
Wie sieht Ihre Winter-Gießroutine aus? Teilen Sie einen Tipp oder fragen Sie nach einer konkreten Pflanze — ich antworte gern mit einer pragmatischen Lösung.









