Wussten Sie, dass Unordnung nicht nur unschön aussieht, sondern auch Ihr Nervensystem beeinflussen kann? Schon wenige sichtbar-chaotische Flächen reichen, um das Gefühl ständiger Halb-Ablenkung zu erzeugen. Eine Psychologin erklärt, warum ein aufgeräumtes Zuhause mehr als Sauberkeit ist — und wie Sie es ohne großen Aufwand erreichen.
Warum Ordnung mehr ist als Haushaltsroutine
„Ordnung wirkt wie ein Signal an das Gehirn: Hier ist Kontrolle, hier ist Sicherheit“, sagt Psychologin Anna Berger aus München. Studien zeigen, dass visuelle Reize unser Stresslevel beeinflussen; ein übervoller Esstisch oder ein chaotischer Flur kann die mentale Belastung erhöhen. Das hat nichts mit Perfektionismus zu tun, sondern mit der Reduktion ständiger Reize.
Praktisch heißt das: Wenn Ihr Zuhause weniger Konkurrenz um Ihre Aufmerksamkeit bietet, können Sie sich besser auf Arbeit, Gespräche oder Erholung konzentrieren. Auch der Schlaf profitiert — viele Menschen schlafen ruhiger, wenn das Schlafzimmer aufgeräumt ist.
Die 5-Minuten-Regel, die wirklich hilft
- Stellen Sie sich einen Timer auf 10 Minuten. Kein großer Plan, nur ein konkretes Ziel.
- Sammeln Sie alles, was nicht dahin gehört, in einer Kiste — am Ende entscheidet Sie: weg, spenden, zurücklegen.
- Tägliche Mini-Aufräumroutinen verhindern das Wiederanwachsen des Chaos.
Ich empfehle die 10-Minuten-Regel in Kombination mit festen Zeiten: morgens kurz durch die Küche, abends eine Runde durch das Wohnzimmer. Kleine, konstante Investitionen verändern mehr als seltene Großaktionen.

Praktische Strategien, die ich selbst benutze
Einige Methoden funktionieren sofort: Zonen bilden, sichtbare Ablagen minimieren, und „eine Sache rein, eine Sache raus“. In meiner Wohnung habe ich einen Kompromiss: offene Regale für Designobjekte, geschlossene Schränke für Papierkram. So bleibt die Ästhetik, ohne dass Kleinkram sichtbar wird.
- Zone-Methode: Küche, Eingang, Schlafzimmer, Home-Office — jede Zone hat ihre Regel.
- Sichtbar vs. Versteckt: Dinge, die Stress erzeugen (Rechnungen, Kabel), gehören nicht ins Sichtfeld.
- Verkaufen oder verschenken: eBay Kleinanzeigen und lokale Flohmärkte in Berlin oder München sind praktisch.
Konkrete Tipps für Alltag und Home-Office
– Digitale Ordnung: E-Mails nach drei Ordnern sortieren (Akut, Warten, Archiv) reduziert mentale Belastung.
– Kleidung: 80/20-Regel anwenden — 20% Ihrer Kleidung tragen Sie 80% der Zeit. Raus damit!
– Kinderhaushalt: Beschränken Sie Spielzeug auf Kisten, rotieren Sie Auswahl, damit weniger herumliegt.

Wenn Aufräumen selbst stresst
Manche Menschen empfinden das Loslassen als emotional schwierig. Die Psychologin rät, in solchen Fällen kleine Schritte zu gehen: Ein Karton für Erinnerungsstücke, ein Fotoalbum statt Kiste, oder das Einbeziehen einer vertrauten Person beim Aussortieren. Professionelle Unterstützung — von Entrümpelungsservices bis zur psychologischen Begleitung — ist ebenfalls eine Option.
Ein schneller Wochenplan
- Montag: 10 Minuten Eingang und Schlüsselbereich
- Mittwoch: 10 Minuten Küche (Arbeitsflächen freiräumen)
- Freitag: 15 Minuten Papierkram (Rechnungen, Post)
- Sonntag: 20 Minuten Lebensmitteleinkauf & Vorratscheck
Ein strukturierter, aber flexibler Plan verhindert, dass Ordnung zu einer zusätzlichen Verpflichtung wird. Ziel ist weniger Perfektion, mehr Ruhe.
Fazit — Warum es sich lohnt
Ordnung reduziert Stress, weil sie kognitive Belastung senkt und Kontrollverlust entgegenwirkt. Sie müssen kein Minimalist werden; es reicht, bewusste Entscheidungen zu treffen. Kleine Rituale, ein paar klare Regeln und die Bereitschaft, Ballast abzugeben, reichen oft schon.
Probieren Sie die 10-Minuten-Challenge diese Woche und beobachten Sie, wie sich Ihr Befinden verändert. Teilen Sie gern Ihre Erfahrungen oder Fragen — welcher Bereich in Ihrer Wohnung verursacht am meisten Stress?









