Du fegst den Herbstweg, sammelst Säcke voll Laub und denkst: ordentlich, fertig – oder? Stopp. Ich habe bemerkt, dass genau dieses Verhalten vielen Gärten mehr schadet als hilft.
Jetzt, wo die Straßenränder und Vorgärten in Deutschland wieder unter einer goldenen Decke liegen, ist es wichtig, das richtige Maß zu kennen. Lies weiter — du kannst Zeit und Geld sparen und gleichzeitig Insekten, Igel und deinen Rasen schützen.
Warum das ständige Wegkehren oft schadet
Viele übersehen, dass Laub mehr ist als Abfall. In meiner Praxis als Hobbygärtner habe ich gesehen, wie kahle Beete und ausgelaugter Rasen direkt mit übertriebener Sauberkeit zusammenhängen.
- Lebensraum für Tiere: Unter der Laubschicht verkriechen sich Igel, Laufkäfer und viele Nützlinge, die im Frühjahr deinen Garten sauber halten.
- Schutz vor Frost: Laub wirkt wie eine natürliche Wärmedecke für Stauden und junge Wurzeln.
- Natürliches Futter: Zersetztes Laub liefert Humus und verbessert langfristig die Bodenstruktur — das ist kostenloser Dünger.
- Weniger Bodenerosion: Die Blätter bremsen Regen und verhindern, dass wertvolle Erde weggespült wird.
- Fördert Regenwürmer und Pilze, die Nährstoffe für Pflanzen verfügbar machen.
- Das komplette Entfernen schwächt biodiversitätsfreundliche Mikro-Lebensräume — dein Garten wird stiller und ärmer.
- Rasenstress: Radikale Laubentfernung kann den Humusgehalt senken und langfristig zu dünnerem Gras führen.
Aber es gibt einen Haken — wann du aufräumen musst
Ich will nicht, dass du dein Grundstück in einen Laubhaufen verwandelst, der zur Stolperfalle wird. Auf Gehwegen und Einfahrten gilt: Sicherheit geht vor. Viele Kommunen in Deutschland verlangen, dass Anwohner Bürgersteige rücksichtsvoll sauber halten — check deine Gemeinde.
- Gehwege regelmäßig (wöchentlich) freihalten — vor allem in der Nähe von Schulen und Seniorenwohnheimen.
- Laub auf Teerflächen kann bei Nässe rutschig werden — weg damit.
- Auf der Rasenfläche lieber weniger, gezielter entfernen: großflächig liegenlassen ist OK, dicke Schichten entfernen.
Meine Regel: 70/30
Ich nutze die Faustregel: circa 70% des Laubs im Garten lassen, 30% gezielt entfernen (Wege, Auffahrten, Stellen mit Schimmelgefahr). Das hat Gartenhumor und Logik zugleich.

Wie Laub deinem Garten nützt — kurz und konkret
- Schützt Wurzeln vor Temperaturstufen.
- Fördert Bodenlebewesen und spart Dünger.
- Stärkerer Boden speichert Wasser besser — praktisch bei trockenen Sommern in Deutschland.
Ein Haufen Laub ist keine Faulheit — es ist Ökologie in Aktion.
Praktischer Life-Hack: So verwandelst du Laub in nützlichen Humus (Schritt-für-Schritt)
Ich zeige dir meine schnelle Methode für wertvollen „Leaf Mold“ (Laubkompost), die in jedem Kleingarten funktioniert.
- Schritt 1: Laub sammeln — am besten trocken mit Rechen oder Laubsack. Kaufe günstig einen großen Netzsack bei OBI oder Bauhaus.
- Schritt 2: Zerkleinern — mit dem Rasenmäher über das Laub fahren (Mulchfunktion) oder grob schreddern. Kleine Stücke verrotten schneller.
- Schritt 3: Schichten anlegen — eine 1 m hohe Schicht in einer Ecke oder in einem Drahtkomposter. Immer leicht anfeuchten.
- Schritt 4: Abdecken — alte Jute oder Holzkiste als Schutz vor Auswaschung nehmen. Geduld: in 9–12 Monaten hast du dunklen, lockeren Humus.
- Schritt 5: Nutzen — als Mulch rund um Sträucher geben oder in Blumenerde untermischen.
Ich war überrascht, wie viel besser meine Stauden den Winter überstanden, nachdem ich sie mit diesem Humus im Frühjahr versorgt habe.
Alternative: Laub intelligent verteilen
Wenn du nicht kompostieren willst, verteile das Laub gezielt:

- Blumenbeete: dünn als Winterschutz.
- Beetkanten und Hecken: als Igelversteck.
- Rasen: mit dem Mulchmäher kurz zerkleinern und gleichmäßig verteilen.
Übrigens: Laubsauger können praktisch sein, sind in manchen Kommunen aber eingeschränkt nutzbar (Lärm). Ein guter Rechen und der Mulchmäher sind meist ausreichend — und günstiger im Baumarkt (Bauhaus, Hornbach).
Mythen, die du vergessen kannst
- Mythos: „Laub macht Rasen tot.“ — Nur eine dicke, nasse Schicht kann Rasen ersticken. Dünn verteilt ist Laub nützlich.
- Mythos: „Alles abtransportieren ist hygienischer.“ — Zersetztes Laub reduziert Schädlingsdruck oft sogar.
Konkrete To‑Dos für die nächsten Wochen (Kurzcheck)
- Prüf die Regeln deiner Gemeinde: Straßenreinigung kann unterschiedlich sein.
- Markiere eine Ecke als „Wild-Ecke“ für Igel.
- Hol dir einen Drahtkomposter oder Netzsack (OBI, Dehner) — kostet in den meisten Filialen unter 20–30 €.
- Mulchmäher-Einstellung testen: erst bei trockenen Blättern mulchen, sonst verklumpt es.
Das Ergebnis: weniger Arbeit im Frühjahr, bessere Bodenqualität und ein Garten, der wieder summt.
Ich habe gelernt: ordentlich ist nicht gleich ökologisch. Wenn du Laub mit Plan statt panisch behandelst, belohnt dich dein Garten – und du brauchst weniger Dünger, weniger Wasser und hast mehr Leben im Beet.
Kurz gesagt: Lass nicht alles wegfegen, aber mach es intelligent.
Was machst du im Herbst mit dem Laub? Legst du Haufen für Igel an oder füllst du Säcke? Schreib es in die Kommentare — ich bin neugierig auf deine Erfahrungen.









