Altbauten haben Charakter — und einen meist hohen Wärmebedarf. Wer hier sparen will, steht schnell vor Widersprüchen: hohe Decken, alte Heizkörper, denkmalgeschützte Fassaden. Ich arbeite seit Jahren mit Eigentümern und Hausverwaltungen und sehe immer wieder dieselben Fehler — aber auch einfache Lösungen, die wirklich Geld bringen.
Warum die richtige Heizungswahl im Altbau anders ist
Altbauten brauchen oft mehr Energie wegen schlechter Dämmung und großer Volumen. Gleichzeitig sind bauliche Eingriffe schwierig: Außenwanddämmung oder großflächiger Fensterwechsel sind teuer oder nicht möglich. Die Heiztechnik muss deshalb zum Bestand passen — sonst zahlen Sie viel für wenig Komfort.
Vergleich: Was rechnet sich tatsächlich?
- Gas-Brennwert (modernisiert): Häufig die wirtschaftlichste Lösung bei mittleren Sanierungen. Moderne Brennwertgeräte nutzen Abgaswärme und sparen gegenüber alten Kesseln 15–30% Brennstoff. Anschlusskosten sind moderat und Installation schnell.
- Wärmepumpe (Luft/Wasser oder Erdwärme): Sehr effizient bei niedrigen Vorlauftemperaturen. In Altbauten lohnt sich eine Wärmepumpe nur, wenn Heizflächen ausreichend groß sind oder Sie auf Niedertemperatur-Konzept umbauen. Hohe Investitionskosten, aber niedrige Betriebskosten bei gutem Strommix.
- Hybridlösungen: Kombination von Wärmepumpe und Brennwertgerät kann das Beste aus beiden Welten liefern — besonders sinnvoll bei variierendem Wärmebedarf.
- Pelletheizung: Ökologisch, gut für größere Gebäude mit Platz für Lagerraum. Betriebskosten können schwanken, Holzpreise sind regional unterschiedlich.
- Fernwärme: Wenn verfügbar, oft eine saubere und bequeme Option. Wirtschaftlichkeit hängt vom Preisniveau des Betreibers ab.

Was oft mehr spart als die Heiztechnik
Bevor Sie das System wechseln: prüfen Sie Heizungsregulierung und hydraulischen Abgleich. Das sind No‑Brainer und bringen oft 10–20% Einsparung ohne große Investition. Einfache Maßnahmen, die wirklich wirken:
- Hydraulischer Abgleich aller Heizkreise
- Thermostatventile und witterungsgeführte Regelung
- Rohrleitungs- und Ventilisolierung
- Fensterdichtungen prüfen, Rollladen sinnvoll nutzen
- Rücklaufanhebung vermeiden: moderne Kessel brauchen niedrige Rücklauftemperaturen
Praxisbeispiel: Berliner Gründerzeithaus
Ein Objekt, das ich betreute: 6 Wohnungen, alte Gaskessel aus den 90ern. Lösung: neuer Brennwertkessel plus hydraulischer Abgleich und smarte Thermostate. Investition: moderat; Einsparung: Heizkosten sinken um rund 25% im ersten Jahr. Wäre eine Wärmepumpe installiert worden, wären zusätzliche Ausgaben für größere Heizkörper nötig gewesen — die Amortisation verschoben.

Förderung und Zuschüsse
Nutzen Sie die Förderprogramme: BAFA und KfW bezuschussen Wärmepumpen, Brennstoffzellengeräte, energetische Sanierung und Heizungsoptimierung. Die Bedingungen ändern sich regelmäßig — prüfen Sie die aktuellen Förderrichtlinien vor Auftragserteilung. Oft lohnt es sich, einen Energieberater für den Antrag einzubinden.
Entscheidungshilfe in 5 Schritten
- Lassen Sie einen Heizlast-Check durchführen (nicht nur Faustformeln).
- Prüfen Sie hydraulischen Abgleich und Regelung — oft zuerst optimieren.
- Vergleichen Sie Betriebskosten (kWh-Preis, Strom vs. Gas) und Investkosten.
- Berücksichtigen Sie lokale Förderungen und Anschlussbedingungen (Gas, Fernwärme).
- Wählen Sie das System, das zu Gebäudehülle und Nutzung passt — nicht nur das modernste.
Mein praktischer Tipp
Wenn Sie keinen großen Wärmeschutz planen, ist ein moderner Brennwertkessel mit guter Regelung oft die wirtschaftlichste Wahl im Altbau. Planen Sie dennoch langfristig: kleine Dämmmaßnahmen, dichte Fenster, Lüftung mit Wärmerückgewinnung — das reduziert die Last für jede Heizung deutlich.
Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Teilen Sie Ihre Baustory oder fragen Sie nach einer konkreten Einschätzung — ich antworte gern und aus der Praxis.









