Im Winter vertrocknen viele Zimmerpflanzen nicht, weil Sie zu wenig gießen, sondern weil Sie falsch gießen. Ein einfacher Eiswürfel auf der Erde klingt wie ein Haushaltsmythos — und doch nutzen Gärtner, Floristen und sogar IKEA diesen Kniff für Orchideen. Ich habe ihn jahrelang getestet: nicht als Allheilmittel, aber als praktisches Werkzeug im Werkzeugkasten.
Warum Eiswürfel im Winter?
Heizungsluft trocknet die Erde sehr schnell aus. Gießen mit viel Wasser in einem Zug führt oft zu Staunässe und Wurzelfäule — besonders wenn Sie aus Gewohnheit häufiger gießen. Ein Eiswürfel schmilzt langsam, gibt die Feuchtigkeit kontrolliert ab und reduziert temporäre Überwässerung. Sie sparen sich auch das tropfende Gießen auf dem Sofa.

Welche Pflanzen eignen sich — und welche nicht
- Gut geeignet: epiphytische Orchideen (z. B. Phalaenopsis), einige Grünpflanzen in kleinen Töpfen, Pflanzen mit guter Drainage.
- Vorsicht geboten: tropische Pflanzen mit empfindlichen Wurzeln (z. B. Calathea, Alocasia), große Kübelpflanzen, Frühlingsblüher, Sukkulenten mit dichtem Substrat.
- Faustregel: Wenn die Pflanze kühle Wurzeln gewohnt ist (Orchideen), ist der Eiswürfel okay. Bei wärmebedürftigen Arten lieber Zimmertemperaturwasser verwenden.
Wie Sie den Hack richtig anwenden — Schritt für Schritt
- Prüfen Sie zuerst die Erde: Stecken Sie den Finger 2–3 cm hinein. Wenn es noch feucht ist, nicht gießen.
- Topfgröße als Maßstab: Kleiner Topf (≤10 cm Durchmesser) = 1 Eiswürfel; Mittel (10–20 cm) = 2–3 Eiswürfel; großer Topf = 4–6 Eiswürfel. Das ist eine Richtlinie, keine feste Regel.
- Legen Sie die Eiswürfel gleichmäßig auf die Erdoberfläche, nicht direkt an den Stamm. So vermeiden Sie Risse oder Schimmel am Stammansatz.
- Kontrollieren Sie die Drainage: Staunässeableitung muss funktionieren. Ohne Abfluss lieber kein Eis.
- Frequenz: einmal pro Woche bei Orchideen, bei anderen Pflanzen nur nach Bodenprüfung — meist alle 7–14 Tage.
Häufige Fehler und wie Sie sie vermeiden
- Zu viele Eiswürfel: Das kühlt die Wurzeln zu stark und hemmt die Wurzelaktivität. Folgen: braune Blattspitzen, Wachstumsstopp.
- Eiswürfel mit Dünger: Düngereis ist praktisch, aber im Winter meist unnötig. Pflanzen sind in Ruhephasen; Überdüngung schadet.
- Keine Kontrolle der Umgebungstemperatur: In sehr kalten Wohnungen kann der Trick nach hinten losgehen. Beobachten Sie die Pflanze eine Woche lang nach der ersten Anwendung.

Praktische Varianten, die ich selbst nutze
Wenn ich mehrere Orchideen auf dem Fensterbrett habe, friere ich leicht warmes, kalkarmes Wasser ein (keine harten Leitungswässer bei uns in Berlin) — so ist der Temperaturunterschied geringer. Für Pflanzen in dekorativen Übertöpfen lege ich die Eiswürfel auf eine kleine Schale auf der Erde, um direkte Kälteeinwirkung am Stamm zu vermeiden. In Gärtnereien wie Dehner oder beim Baumarkt OBI sehen Sie oft ähnliche Ideen — kein Firlefanz, sondern praktikable Lösungen.
Mein persönlicher Tipp
Behandeln Sie den Eiswürfel-Trick wie ein Werkzeug, nicht wie eine Religion. Testen Sie an einer Pflanze, dokumentieren Sie die Reaktion, und passen Sie die Menge an. Wenn Blätter anfangen, sich zu verfärben oder weich zu werden, reduzieren Sie die Häufigkeit oder steigen Sie auf lauwarmes Gießen um.
Haben Sie Lust, das auszuprobieren? Schreiben Sie in die Kommentare, welche Pflanzen Sie haben — ich sage Ihnen, ob der Eiswürfel passt oder nicht. Und wenn Sie ein Foto teilen, schauen wir gemeinsam nach Drainage und Topfgröße.









