Viele Hobbygärtnerinnen und -gärtner über 50 halten an Sommergewohnheiten fest — und ruinieren damit ihre Zimmerpflanzen. Der überraschendste Fehler ist nicht, zu wenig, sondern zu viel gießen. Ich sehe das seit Jahren in Berliner Wohnhäusern und beim Stöbern in der Pflanzenabteilung von OBI oder Dehner: die Gießkanne als tägliches Ritual, obwohl die Pflanzen im Winterschlaf sind.
Warum Pflanzen im Winter weniger Wasser brauchen
Im Winter verlangsamt sich die Pflanzenphysiologie deutlich: Licht ist schwächer, Wachstumsprozesse laufen langsamer, und die Verdunstung nimmt ab. Das bedeutet konkret: der Wasserbedarf kann oft um die Hälfte oder mehr sinken. Gießen wie im Sommer führt schnell zu Staunässe, Wurzelfäule und schließlich zum Absterben der Pflanze.
Der häufigste Fehler: Gießen nach Kalender statt nach Bedarf
Viele Personen über 50 gießen nach festen Tagen — montags und donnerstags, oder jeden zweiten Tag. Das ist verständlich: Routine gibt Sicherheit. Doch Pflanzen brauchen keine Termine, sie reagieren auf Bodenfeuchte und Temperatur.

- Problem: Erde fühlt sich feucht an, also wird nicht gegossen, oder: sie wird feucht gehalten, also nie trocken — beides schadet.
- Konsequenz: Wurzeln faulen, die Pflanze wird anfällig für Schädlinge und Krankheiten.
Konkrete, sofort umsetzbare Gieß-Regeln
Diese fünf Praktiken haben sich bei meinen Pflanzen und bei vielen Kund*innen bewährt:
- Fingerprobe statt Kalender: Stecken Sie den Zeigefinger 3–5 cm in die Erde. Fühlt sie sich trocken an, ist Gießen fällig.
- Weniger, dafür gründlich: Gießen Sie so viel, dass Wasser unten aus dem Topf abläuft, und lassen Sie den Übertopf eine halbe Stunde stehen, dann das überschüssige Wasser entfernen.
- Wassertemperatur: Verwenden Sie lauwarmes Wasser, kein eiskaltes Leitungswasser — das stresst die Wurzeln bei kühlen Temperaturen.
- An die Art denken: Sukkulenten brauchen weit weniger Wasser als Farne oder Zimmerpalmen. Informieren Sie sich kurz beim Kauf bei Pflanzen-Kölle oder in Online-Foren.
- Luftfeuchte verbessern: Heizungswärme trocknet die Luft. Statt öfter zu gießen, stellen Sie Pflanzengruppen auf ein Kiesel-Tablett oder nutzen einen kleinen Luftbefeuchter.
Praktische Hilfsmittel, die das Leben erleichtern
Ein einfacher Bodenfeuchtemesser (gibt’s bei Bauhaus oder online) spart viele Fehlentscheidungen. Auch Töpfe mit Drainage und passende Untersetzer reduzieren das Risiko von Staunässe. Ich empfehle, beim Umtopfen im Herbst auf ein gut durchlässiges Substrat zu achten — früher habe ich das oft unterschätzt.

Typische Pflanzenbeispiele — wie oft gießen?
- Ficus / Birkenfeige: alle 2–4 Wochen, nur wenn die obere Erdschicht trocken ist.
- Monstera: mäßig, etwa alle 2 Wochen im Winter, nie dauerhaft nass halten.
- Sukkulenten/Kakteen: alle 4–6 Wochen sehr sparsam.
- Farn: häufiger ein bisschen, aber nicht nasstränken — besser öfter die Luftbefeuchtung erhöhen.
Fehler erkennen und retten, was noch zu retten ist
Zeigen die Blätter gelbe Flecken, welken sie oder fällt Laub ab? Dann reagieren Sie sofort: Topf auskippen, Staunässe prüfen, verfaulte Wurzeln entfernen, frische, lockere Erde verwenden. In vielen Fällen lässt sich die Pflanze so noch retten.
Mein persönlicher Tipp
Ich habe aufgehört, meine Mutter in München beim täglichem Gießen zu überzeugen — stattdessen habe ich ihr einen billigen Feuchtemesser geschenkt. Ergebnis: weniger Streitereien, mehr lebendige Pflanzen. Kleine Investition, große Wirkung.
Haben Sie eine Pflanze, die Ihnen im Winter immer Probleme macht? Schreiben Sie in die Kommentare — ich antworte gern mit konkreten Tipps oder einer kleinen Checkliste für Ihre Art.









