Im Winter verlieren Zimmerpflanzen mehr als nur Blätter — viele sterben an gut gemeinter Pflege. Der häufigste Fehler ist erstaunlich banal: Sie gießen zu viel statt weniger. Ich habe es selbst gesehen: in Berliner WGs, in der Ecke bei OBI-Einkäufen und sogar bei Stammkunden im Pflanzenladen am Boxhagener Platz.
Warum Winter anders ist
Mehrere Dinge machen die Jahreszeit tückisch: kürzere Tage, niedrigere Temperaturen und trockene Heizungsluft. Die meisten tropischen Arten reduzieren ihre Verdunstung stark — Studien und Erfahrungswerte sprechen von einem Rückgang um rund 30–50 %. Das bedeutet: Die Wurzeln brauchen weniger Wasser, nicht mehr.

Der häufigste Fehler: Überwässern bei sichtbarem Stress
Wenn Blätter schlaff werden, reagieren viele reflexartig mit Gießkanne und Hoffnung. Doch bei niedriger Luftfeuchte und kühlen Nächten sind schlaffe Blätter oft Zeichen von Transpirationsstress — nicht von Durst. Wird trotzdem viel gegossen, staut sich Wasser, Wurzelfäule entsteht und die Pflanze kollabiert.
Wie Sie es richtig machen — konkrete Schritte
- Fingerprobe statt Gießautomat: Stecken Sie den Finger 3–5 cm in die Erde. Fühlt es sich leicht feucht an, warten.
- Topfgewicht prüfen: Heben Sie den Topf einmal nass, einmal trocken — so lernen Sie, wie sich „gießbereit“ anfühlt.
- Weniger gießen, aber gezielter: Reduzieren Sie die Wassermenge um etwa 30–50 % gegenüber dem Sommer; bei Sukkulenten sogar stärker.
- Erhöhen Sie die Luftfeuchte: Gruppieren Sie Pflanzen, nutzen Sie eine Schale mit Kies/Sand und Wasser oder investieren Sie in einen Luftbefeuchter (gute Geräte gibt’s bei MediaMarkt oder Hornbach).
- Kein regelmäßiges Düngen: Für die meisten Arten reicht es, die Düngergaben auf 30–50 % zu reduzieren oder ganz auszusetzen, bis das Licht wieder besser wird.
- Reinigen Sie die Blätter: Staub mindert Lichtaufnahme — einmal in der Woche mit einem feuchten Tuch drübergehen.
Praktische Beispiele für beliebte Pflanzen
Ficus und Monstera: freuen sich über weniger Wasser und höhere Luftfeuchte. Gießen Sie erst, wenn die obere Erdschicht trocken ist — oft reicht ein Mal alle 10–14 Tage. Orchideen: Tauchen statt gießen, einmal pro Woche oder alle zehn Tage reicht meist. Sukkulenten: Einmal im Monat oder noch seltener.

Was Sie nicht tun sollten
- Rein nicht vorschnell umtopfen — das stresst die Wurzeln zusätzlich.
- Kein permanentes Sprühen vor laufender Heizung — das verdunstet sofort und bringt kaum Nutzen.
- Keine Staunässe: Achten Sie auf Abfluss und Untersetzer — entfernen Sie stehendes Wasser.
Mini-Checkliste fürs schnelle Verhalten
1) Fingerprobe → 2) Topfgewicht vergleichen → 3) Luftfeuchte erhöhen (Kies, Luftbefeuchter, Pflanzencluster) → 4) Dünger reduzieren → 5) Lage regelmäßig kontrollieren.
Ich habe viele Pflanzen über den Winter „gerettet“, indem ich weniger und bewusster goss — das klingt banal, aber es funktioniert zuverlässig. Wenn Sie noch unsicher sind, schreiben Sie welche Pflanzen Sie haben; ich nenne Ihnen eine individuelle Gießfrequenz. Teilen Sie auch gerne Ihre eigenen Winter-Notfälle in den Kommentaren — ich antworte.









