Die meisten Zimmerpflanzen überleben den Winter nicht wegen Kälte, sondern wegen Wasser — oder besser gesagt: wegen falschem Gießen. Sie schätzen die Ruheperiode falsch ein, folgen starren Zeitplänen oder reagieren auf trockene Heizungsluft mit zu viel Liebe. Als jemand, der seit Jahren Pflanzen im Altbau, in Neubauwohnungen und an Südfenstern kraulen musste, sage ich: weniger ist oft mehr — aber nur, wenn Sie es richtig machen.
Warum viele Gieß-Regeln im Winter versagen
Pflanzen verlangsamen ihre Wachstumsprozesse: Stoffwechsel, Verdunstung und Wurzelaktivität sinken deutlich (häufig um 30–50 %). Das heißt: dieselbe Menge Wasser wie im Sommer führt schneller zu Staunässe und Wurzelfäule. Gleichzeitig lässt sich das Bedürfnis nicht allein am Kalendersatz „alle 7 Tage“ festmachen — Licht, Temperatur, Substrat und Standort entscheiden.

Die fünf häufigsten Mythen
- „Gießen, damit die trockene Heizungsluft ausgeglichen wird“ — Luftbefeuchten ist besser als gießen.
- „Topfgewicht ist unzuverlässig“ — stimmt nicht: es ist oft der sicherste Indikator.
- „Alle Pflanzen brauchen weniger Wasser“ — Ausnahmen: einige Farnarten und Zimmerhortensien brauchen trotz Winter Feuchtigkeit.
- „Kalte Wohnung = mehr Wasser“ — eher umgekehrt: kalte Böden halten Wasser länger.
- „Leeres Gießgefäß wässern wie üblich“ — stehendes Wasser in Untersetzern fördert Pilze.
Konkrete Fehler — und warum sie schaden
- Zu häufig gießen: Wurzeln ersticken, Nährstoffaufnahme bricht zusammen.
- Kalt aus der Leitung: Kälteschock an den Wurzeln, besonders bei sensiblen Arten.
- Obere Erdschicht testen statt tiefer: Oberfläche trocknet schneller — Sie glauben, die Pflanze sei durstig.
- Untersetzer stehen lassen: stagnierende Feuchte = Pilzsporen, Schimmel.
- Weiter gießen bei schlechter Lichtlage: Pflanzen können das Wasser nicht verarbeiten.
So gießen Sie im Winter richtig — praktische Anleitung
- Prüfen Sie die Feuchte: Stecken Sie den Finger 2–3 cm tief (bei kleinen Töpfen 1–2 cm). Für viele Grünpflanzen gilt: trockenere Oberfläche, leicht feuchte Tiefe — gießen erst dann.
- Topfgewicht nutzen: Heben Sie den Topf vor und nach dem Gießen. Ein leichter Topf bedeutet Durst.
- Wassertemperatur beachten: Zimmerwarmes Wasser verwenden — keine eiskalten Mengen aus der Leitung.
- Wasserqualität: In Regionen mit hartem Wasser (stark kalkhaltig) Regenwasser oder gefiltertes Wasser bevorzugen. Kalk setzt sich in Erde und auf Blättern ab.
- Gießen, nicht duschen: Lieber weniger, dafür gründlich gießen, bis überschüssiges Wasser aus dem Drainageloch kommt. Anschließend Untersetzer leeren.
Tipps für spezielle Situationen
Heizkörpernähe: Pflanzen auf Fensterbank neben Radiator brauchen weniger Wasser — die Luft ist trocken, doch der Boden trocknet langsam wegen warmer, trockener Luft oben und kühler Erde unten. Stellen Sie die Pflanze etwas weg oder nutzen Sie einen Luftbefeuchter.
Nordfenster / wenig Licht: Wasser deutlich reduzieren. Viele Blattpflanzen gehen in eine Art Ruhemodus — sie verbrauchen nur, was nötig ist.

Urlaub im Winter: Gießen Sie kurz vor Abreise gründlich, verwenden Sie Feuchtigkeitskugeln oder eine Dochtbewässerung. Pflanzenfreundliche Geschäfte wie Dehner oder lokale Baumschulen bieten passende Sets.
Praktische Routine für die nächsten Monate
- Wöchentlich prüfen, nicht automatisch gießen.
- Feuchtigkeitsmesser anschaffen — für knapp 10–30 Euro eine hilfreiche Investition.
- Im Frühjahr umtopfen: Verrottete Erde ist Risikoquelle für Winterprobleme.
Ich habe gelernt, dass weniger Drama und mehr Beobachtung reichen: Pflanzen danken es mit robustem Neuaustrieb im Frühling. Wenn Sie also dieses Jahr Ihre Grünpflanzen über den Winter bringen wollen, vergessen Sie den Kalender und lernen Sie das Gewicht Ihres Topfes kennen.
Haben Sie einen Winter-Gieß-Trick, der bei Ihnen immer funktioniert? Schreiben Sie ihn unten — ich sammele praktische Tipps für die nächste Saison.









