Wussten Sie, dass viele Schnittblumen ihren Zenit verlieren, weil einfache Fehler beim Arrangieren oder in der Vase passieren? Als Floristin in Berlin-Kreuzberg sehe ich täglich Bouquets, die nach zwei Tagen schlapp aussehen — dabei wäre das Vermeiden der Fehler kein Hexenwerk. In diesem Text gebe ich Ihnen die Praxis-Tipps, die wir in der Werkstatt nutzen, plus ein paar probate Hausmittel für zu Hause.
Der erste Eindruck: Vase und Sauberkeit
Eine saubere Vase ist die halbe Miete. Bakterien im Glas kürzen das Leben jeder Blume drastisch. Spülen Sie das Gefäß mit heißem Wasser und etwas Spülmittel, bei Bedarf mit einem kleinen Tropfen Haushaltsbleiche ausspülen und gut nachspülen.
Stiele schneiden — richtig, nicht wild
Schneiden Sie die Stiele schräg an (30–45°). Das vergrößert die Wasseraufnahmefläche. Verwenden Sie ein scharfes Messer oder eine Rosenschere, keine stumpfen Haushaltsscheren. Bei holzigen Stielen (z. B. Ranunkeln, Rosen) empfehlen wir das Einkerben der Rinde am unteren Ende, damit Wasser leichter eindringt.

Wasser, Temperatur und Position
- Warmes Wasser (handwarm) hilft vielen Schnittblumen, besonders Rosen, sich schneller zu öffnen.
- Tulpen bevorzugen kühleres Wasser und stehen gern in einem hohen schlanken Gefäß.
- Stellen Sie Blumen nicht direkt in die pralle Sonne, nicht neben die Heizung und weg vom Obstkorb — Äpfel und Bananen geben Ethylen ab und beschleunigen das Altern.
Schnittblumennahrung: Kaufen oder selber mischen?
Gewerbliche Schnittblumennahrung enthält Zucker (Nahrung), einen Säuerungsmittel (pH-Wert reguliert) und ein Antiseptikum. Das ist oft die beste Wahl. Falls Sie nichts zur Hand haben, klappt eine Hausmischung: pro Liter warmes Wasser 1 Teelöffel Zucker, 1 Teelöffel Zitronensaft und ein sehr kleiner Tropfen Haushaltsbleiche — nur ein Tropfen reicht, um Bakterienwachstum zu hemmen. Nutzen Sie das mit Vorsicht und wechseln Sie das Wasser dennoch täglich.
Was Sie unbedingt entfernen sollten
- Blätter, die unter Wasser stehen — sie verfaulen und fördern Bakterien.
- Pollen bei Lilien entfernen, wenn Sie Flecken vermeiden wollen.
- Verwelkte Blüten regelmäßig aus dem Strauß schneiden — sie ziehen Energie ab.
Besondere Pflege für bestimmte Blumen
Rosen öffnen sich besser, wenn Sie die äußeren Blätter vorsichtig entfernen und täglich ein bis zwei Zentimeter frisch nachschneiden. Gerbera brauchen sauberes Wasser und einen festen Stand — ein kleiner Kiesel im Boden der Vase hilft. Tulpen wachsen nach dem Schneiden weiter; eine hohe Vase verhindert, dass sie überhängen.

Übernachtungskühlung – Profi-Trick fürs Wochenende
In der Werkstatt legen wir empfindliche Sträuße nachts in einen kühlen Raum (oder in den Kühlschrank, wenn Platz vorhanden ist und keine Früchte drin sind). Kühle verlangsamt den Stoffwechsel und verlängert die Frische deutlich. Zu Hause tut ein kühler Flur oft schon gute Dienste.
Praxisbeispiel aus dem Laden
Letzte Woche hatte ich einen Hochzeitsstrauß mit Rosen, Eukalyptus und Pfingstrosen — nach 48 Stunden war der Brautstrauß bei uns in der Werkstatt zu schlapp. Drei einfache Maßnahmen halfen: frisches warmes Wasser, gründliche Reinigung der Vase, ein Hauch Schnittblumennahrung. Ergebnis: die Pfingstrosen öffneten sich noch einmal prächtig und der Strauß hielt eine Woche länger.
Zusammengefasst: Die besten Sofort-Tipps
- Vase sauber halten und Wasser täglich wechseln.
- Stiele schräg schneiden und Blätter entfernen.
- Kommerzielle Schnittblumennahrung nutzen oder eine vorsichtige Hausmischung.
- Keine Nähe zu Obst, direkte Sonne oder Heizkörpern vermeiden.
- Bei empfindlichen Sträußen nachts kühlen.
Ich arbeite jetzt seit über zehn Jahren mit Schnittblumen — nach ein paar einfachen Regeln sehen auch günstige Sträuße lange gut aus. Probieren Sie eine Methode nach der anderen aus, notieren Sie, was bei Ihren Lieblingsblumen am besten wirkt, und teilen Sie gerne Ihren Erfolg oder Ihre Fragen unten im Kommentar. Welches Blumenpaar soll ich als Nächstes erklären?









