Im Winter sterben Pflanzen selten plötzlich — sie sterben schleichend, durch falsches Gießen. Viele von uns drehen im Dunkeln die Gießkanne auf, weil das schlechte Gewissen drängt. Ich spreche aus Erfahrung: Auch ich habe im November schon großzügig gegossen und wenige Wochen später grünere Blätter im Müll gefunden. Hier ist, was wirklich hilft, knapp und praxisnah.
Warum Winterpflege anders ist
Weniger Tageslicht, niedrigere Temperaturen und trockene Heizungsluft verändern den Wasserbedarf Ihrer Pflanzen grundlegend. Die meisten Zimmerpflanzen reduzieren ihre Wachstumsrate — das heißt, sie verbrauchen deutlich weniger Wasser. Gleichzeitig verdunstet in beheizten Räumen mehr Feuchtigkeit aus der Luft, aber nicht unbedingt aus dem Topf, wenn die Erde kompakt ist.
Konkrete Zeichen: Zu nass oder zu trocken?
- Blätter gelb und schlaff, Stamm matschig — häufiges Zeichen für zu viel Wasser.
- Braune, trockene Blattspitzen und knusprige Erde — eher Austrocknung.
- Topfgewicht-Test: Leicht vs. schwer — der schnellste Check.
- Wurzelgeruch: Moderiger Geruch deutet auf Wurzelfäule hin.
So gießen Sie richtig — einfache Regeln
Statt nach Gefühl zu gießen, machen Sie ein kurzes Ritual:

- Prüfen: Mit dem Finger 2–3 cm in die Erde stechen oder den Topf hochheben.
- Dosieren: Lieber die Hälfte der üblichen Menge gießen und nach 3–4 Tagen erneut prüfen.
- Wasserqualität/Temperatur: Zimmertemperiertes, abgestandenes Leitungswasser ist meist okay.
- Zeitpunkt: Morgens gießen, damit überschüssige Feuchtigkeit tagsüber verdunsten kann.
Eine kleine Investition: ein einfacher Bodenfeuchtemesser (gibt’s bei OBI, Bauhaus oder im Pflanzenladen) erspart viele Fehler.
Wenn’s schon zu spät ist: Rettung bei Staunässe
Keine Panik, oft lässt sich Wurzelfäule noch stoppen:
- Topf rausnehmen, Erde vorsichtig entfernen, betroffene braune Wurzeln abschneiden.
- Wurzelballen kurz trocknen lassen, beschädigte Erde ersetzen und in frische, lockere Substratmischung setzen.
- Nur leicht gießen und Schale unterlegen, damit überschüssiges Wasser ablaufen kann.
- Bei starken Schäden: Umtopfen in sterilisierten Topf und Fungizid nur als letztes Mittel.
Spezielle Pflanzen brauchen spezielle Regeln
Sukkulenten: Winterruhe, praktisch kein Wasser — einmal im Monat prüfen. Palmen und Monstera: mögen gleichmäßige, aber sparsame Feuchte. Farne: lieben Luftfeuchtigkeit; stellen Sie sie auf einen Kiesel- oder Hydrokultur-Untersetzer mit Wasser oder nutzen Sie einen Luftbefeuchter.

Heizungsluft und Luftfeuchte managen
Radiatornähe treibt Wasserstress. Entfernen Sie Pflanzen von direkt über Heizkörpern, nutzen Sie Keramik-Untersetzer mit Wasser oder kleine Luftbefeuchter. Ein Hygrometer hilft: 40–55% relative Luftfeuchte ist für die meisten Arten angenehm.
Praktische Wochenroutine
Eine simple Checkliste für die kalte Jahreszeit:
- Wöchentlich: Topfgewicht/Feuchte prüfen
- Alle 4–6 Wochen: oberste Erdschicht leicht auflockern
- Monatlich: Kontrolle auf Schädlinge (Spinnmilben im Winter verstärkt)
- Spezialfall: Umtopfen nur im Frühjahr — außer bei akuter Not
Ich habe gelernt, dass weniger oft mehr ist: Einmal weniger gießen und dafür genauer hinsehen rettet mehr Pflanzen als ein wohlmeinender Eimer pro Woche. Testen Sie die Topfgewicht-Methode über zwei Wochen — Sie werden überrascht sein, wie zuverlässig sie ist.
Welche Pflanze bereitet Ihnen im Winter am meisten Probleme? Schreiben Sie es in die Kommentare — ich teile gern praktische Tricks aus meinem Pflanzen-Krankenbuch!









