Du hast das Gefühl, der Rasen sieht nach dem Laubharken sauberer aus — und doch kann genau das schaden. Ich habe festgestellt, dass komplett blank gefegte Grünflächen im Herbst öfter krank werden als gemächliche, laubbedeckte Rasen. Jetzt im Herbst entscheidet sich, ob dein Rasen das Winterwetter übersteht — und warum du nicht sofort alles wegbringen solltest.
Warum das Entfernen von Laub oft mehr schadet als nützt
Viele übersehen, dass Laub mehr ist als nur „Dreck“. Es ist ein dünnes Ökosystem: Schutz, Nahrung und Wärmedecke zugleich.
Was unter der Laubschicht passiert
- Feuchtes Laub dämpft Frostspitzen und schützt Graswurzeln vor starke Kälteeinbrüchen.
- Blätter zersetzen sich und liefern langfristig Nährstoffe — wie ein langsamer Dünger.
- Ein natürlicher Lebensraum entsteht: Insekten, Regenwürmer und Igel finden Unterschlupf.
Wenn du alles entfernst, nimmst du dem Rasen diese Schutzschicht und schwächst ihn für Frühjahr und Trockenperioden. Ich habe das selbst gesehen, auf zwei Nachbarflächen: Die kahlen Stellen mussten im Frühjahr teurer nachgesät werden.
Die Mythen, die du jetzt vergessen kannst
- „Laub = Pilzbefall“: Nicht automatisch. Pilze kommen eher bei nassen, verdichteten Rasenflächen vor — ohne Luft und Regenwurmkontakt.
- „Komplettes Entfernen sieht ordentlicher aus“: Kurzfristig ja. Langfristig aber schadet es der Bodenstruktur.
- „Einfach alles auf den Kompost“: In Städten wie Berlin oder München ist das nicht nötig — oft gibt es kommunale Grüngutannahmen oder günstige Häckseldienste.
Aber es gibt einen Haken
Wenn Laub zur dicken, luftundurchlässigen Schicht wird (mehrere Zentimeter nass übereinander), dann kann es tatsächlich ersticken, Pilzwuchs fördern und Moos begünstigen. Hier musst du handeln — aber gezielt.

Praktische Schritte: So lässt du Laub sinnvoll liegen
In meiner Arbeit mit Gärten und Hausbesitzern in Deutschland habe ich eine einfache Routine entwickelt, die funktioniert — sogar wenn du nicht stundenlang harken willst.
- Nutze den Rasenmäher mit Mulchfunktion: Zerkleinert Laub und verteilt es dünn auf der Fläche.
- Nur bei dicker Schicht: mit Rechen in Streifen zusammenziehen, aber nicht komplett abfahren.
- Laubhaufen an den Rasenkanten oder unter Hecken belassen — dort sind sie Winterquartier für Igel.
- Für Vorgärten oder sehr formale Flächen: max. 1–2 cm Laubschicht stehen lassen.
Schritt-für-Schritt-Hack (funktioniert in jedem deutschen Garten)
- Schritt 1: Setz den Rasenmäher auf mittlere Schnitthöhe und benutze die Mulchfunktion.
- Schritt 2: Fahr einmal quer und einmal längs — so verteilst du zerkleinertes Laub gleichmäßig.
- Schritt 3: Wo sich nasse Ballen bilden, mit Rechen locker auseinanderziehen und an Beetrand oder unter Sträucher legen.
- Schritt 4: Große Äste und nasses, verfilztes Laub in die Biotonne oder zur kommunalen Grüngutannahme (häufig kostenlos oder für kleines Entgelt, abhängig von Stadt/Bundesland).
Übrigens, ein Mulchmesser kostet bei OBI, Hornbach oder Bauhaus zwischen ~30 und 80 € — eine einmalige Investition gegen Springkosten fürs Nachsäen.
Zusatznutzen: Was Laub deinem Garten noch schenkt
- Mehr Regenwurm-Aktivität → besserer Boden, weniger Verdichtung.
- Schutz für Bodenleben bei starkem Regen (typisch für deutsche Übergangsmonate).
- Kosten sparen: Weniger Dünger, weniger Nachsaat, weniger Arbeit im Frühjahr.
Ich habe beobachtet, dass Nachbarn, die Laub klug liegen lassen, weniger Probleme mit Moos und kahlen Stellen haben — ihr Rasen wirkt insgesamt kräftiger.

Wann du trotzdem alles wegräumen solltest
Es gibt echte Ausnahmen:
- Wenn du einen sehr stark genutzten Spielrasen hast (Kinder, Hunde) und das Laub matschig wird.
- Bei Krankheit/Seuchenbefall von Bäumen (krankes Laub gehört nicht auf den Rasen).
- Wenn deine Kommune strikte Vorgaben zur Sauberkeit hat (z. B. vor städtischen Wegen).
Kurzer Rettungsplan für übernässte Rasenflächen
- Sanft das Laub auseinanderziehen, nicht komplett abtragen.
- Lockern mit einem Rechen oder Vertikutierer (nur entfilzen, nicht tief reißen).
- Bei Bedarf im Frühjahr nachsäen und mit Kompost leicht abdecken.
Ich habe Gärten gesehen, die nach einem milden Herbst und gezielter Pflege im Frühling wieder aufblühten — nicht wegen Chemie, sondern weil der Boden lebendig blieb.
Fazit — kurz und praktisch
Laub ist kein Schmutz, es ist natürliche Abdeckung und Nährstoffquelle. Streich nicht reflexartig alles weg, sondern denke in Schichten: dünn verteilen, dichte Matten auflockern, und Unterschlupf an den Rand legen. So bleibt dein Rasen gesünder — und Igel, Würmer und Bienen danken es dir.
Wie gehst du mit Laub um — räumst du alles weg oder lässt du Teile liegen? Teile deine Erfahrung oder einen Trick aus deinem Garten unten.









