Essig klingt altmodisch — und genau deshalb funktioniert er oft besser als das hippe Produktregal im Supermarkt. Für viele Aufgaben im Haushalt reicht Haushaltsessig (5%) völlig aus; für hartnäckige Fälle gibt es Essigessenz, aber mit Vorsicht. Ich schreibe das aus Erfahrung: nach zehn Jahren Content-Redaktion und umgezogenen Wohnungen habe ich mehr als einmal eine Flasche Essig als Notfallwerkzeug gezückt.
Warum Essig? Kurz erklärt
Essig enthält Essigsäure, die Kalk (Calciumcarbonat), Wasserflecken und manche organische Rückstände auflöst. Er ist billig, biologisch abbaubar und fast überall erhältlich — Aldi, Lidl, Rewe oder DM führen Haushaltsessig. Aber: Essig ist kein Universaldesinfektionsmittel. Gegen hartnäckige Keime und Viren sind alkoholbasierte oder zugelassene Desinfektionsmittel wirkungsvoller.

Was Essig kann — und was nicht
- Gut: Entkalken von Wasserkochern, Duschköpfen, Kaffeeresten, Fensterrahmen, Kleckereien auf Fliesen.
- OK: Allzweckreinigung auf Glas, Keramik, Edelstahl (kurz anwenden), Laminate (verschlossen) und Kunststoff.
- Schlecht: Natürlicher Stein (Marmor, Kalkstein), unbehandelte Holzböden, Wachs, manche Lacke — Essig kann diese angreifen.
- Unsicher: Für medizinisch saubere Desinfektion (z. B. nach Krankheit) besser geprüfte Desinfektionsmittel nutzen.
Praktische Rezepte — einfach nachmachen
Ich nenne hier Mischverhältnisse, die in meinen Berliner WG-Jahren und später in kleineren Apartments zuverlässig gearbeitet haben.
- Allzweckreiniger: 1 Teil Essig, 1 Teil Wasser, in Sprühflasche. Für Geruch: Zitronenschale einlegen oder 5 Tropfen ätherisches Öl.
- Glas und Spiegel: 1 Teil Essig, 2 Teile Wasser. Mit Mikrofasertuch polieren, keine Papierhandtücher.
- Kalklöser (Wasserkocher): Gleichteile Wasser und Essig, aufkochen, abkühlen lassen, ausspülen.
- Duschkopf entkalken: Duschkopf in Beutel mit Essigwasser (1:1) einlegen, mit Gummiband fixieren, 1–2 Stunden einwirken lassen.
- Backofen-Folie für Fett: dicke Paste aus Backpulver und wenig Wasser, aufsprühen mit Essig — es schäumt — nach 15–30 Minuten abwischen.
Sicherheitshinweise — bitte beachten
Essigessenz (25%) ist konzentriert und sollte immer verdünnt werden. Handschuhe tragen, Augenkontakt vermeiden. Niemals Essig mit Chlorbleiche mischen — es entsteht giftiges Chlor gas. Auch die Kombination mit Wasserstoffperoxid bildet Peressigsäure, die reizend sein kann. Lüften nicht vergessen.

Tipps, die wirklich helfen
- Gerüche neutralisieren: Natron (Backsoda) in Schalen, Essig in der Spüle — Geruch verschwindet schneller, wenn Sie danach gut lüften.
- Hartnäckiges Fett: Erst mechanisch (Spachtel, heißes Wasser), dann leichter Essigreiniger — Essig löst Fett nicht so effektiv wie alkalische Reiniger.
- Wäsche auffrischen: 100–200 ml Haushaltsessig im Weichspülerfach verhindert Kalk und neutralisiert Gerüche — keine Sorge, nach dem Spülen riecht die Wäsche nicht nach Essig.
- Kleinreparatur im Kiez: Wenn’s schnell gehen muss, nimmt Essig oft Kalk und Schmutz weg — sparen Sie sich den Weg zum Baumarkt, bevor Sie neue Mittel kaufen.
Ein realistischer Schluss
Essig ist kein Heilsbringer, aber in den meisten Wohnungen ein zuverlässiger Helfer. Er spart Geld, ist ökologischer als viele aggressive Reiniger und hat in hektischen Momenten Rettungscharakter. In meinem Kreuzberger Haushalt gehört eine Flasche Haushaltsessig zur Standardausstattung — oft die erste Wahl für schnelle, sichtbare Ergebnisse.
Probieren Sie ein Rezept aus, markieren Sie das beste Ergebnis in den Kommentaren oder teilen Sie Ihre eigenen Essig-Hacks. Wenn Sie möchten, kann ich eine kurze Checkliste zum Ausdrucken erstellen — sagen Sie kurz Bescheid.









