Sie stehen am Herd, hören das Zischen der Flamme und fragen sich: Spart Gas wirklich Geld — oder ist das moderne Induktionsfeld doch die sparsamere Wahl? Die Antwort hängt nicht von einem Dogma ab, sondern von Preisen, Wirkungsgraden und Ihrem Kochverhalten. Ich koche seit Jahren für sechs Personen, habe Gas- und Induktionsherde getestet und nenne hier konkrete Rechenwege, Praxis-Tipps und die überraschenden Faktoren, die oft übersehen werden.
Worauf es wirklich ankommt
Beim Vergleich geht es um drei Variablen: Preis pro kWh (für Gas oder Strom), Wirkungsgrad des Herds und die tatsächlich benötigte Wärme. Beispiel: 1 Liter Wasser von 20 auf 100 °C braucht physikalisch etwa 0,093 kWh. Wie viel Energie aus der Leitung nötig ist, hängt vom Wirkungsgrad ab.
- Gasherd: Wirkungsgrad etwa 35–50% (viel Wärme geht in die Luft)
- Elektrischer Widerstand (kochfeld): ca. 60–75%
- Induktion: ca. 80–90% (direkte Erwärmung des Topfes)
Ein kleines Rechenbeispiel — so rechnen Sie selbst
Formel: Kosten = (Benötigte Wärme / Wirkungsgrad) × Preis pro kWh.
Angenommen, 1 l Wasser → 0,093 kWh Wärmebedarf. Bei Gas (Wirkungsgrad 40%) ziehen Sie ~0,233 kWh Gas. Bei Induktion (85%) sind es ~0,109 kWh Strom. Wenn Ihr Gaspreis 0,12 €/kWh und Strom 0,40 €/kWh beträgt, kosten:

- Gas: 0,233 × 0,12 ≈ 0,028 €
- Induktion: 0,109 × 0,40 ≈ 0,044 €
Ergebnis: Gas ist hier günstiger. Aber: wenn der Strompreis unter etwa 0,25 €/kWh liegt (bei diesen Wirkungsgraden), wird Induktion günstiger. Das heißt: der Preis macht den Unterschied — nicht nur die Technik.
Weitere Kosten und Nebeneffekte
Reine kWh-Kosten sind nur ein Teil der Rechnung.
- Investitionskosten: Induktionsfelder und passende Töpfe (Stahl, magnetisch) können teurer sein. Marken wie Bosch, Siemens, Neff oder Miele bieten Angebote — vergleichen lohnt.
- Stand-by, Elektrik-Tarife: Manche Anbieter (E.ON, Vattenfall, RWE) haben zeitlich gestaffelte Tarife oder Nachtstrom — beachten!
- Luftqualität: Gasherde geben NO2 und CO2 ab; regelmäßiges Lüften oder Dunstabzug ist Pflicht, ansonsten steigt das Gesundheitsrisiko.
- Geschwindigkeit: Induktion erhitzt schneller und spart Zeit (und damit oft Energie).
Praktische Tipps, die wirklich sparen
- Nutzen Sie Deckel — bis zu 70% weniger Energie beim Erhitzen von Flüssigkeiten.
- Topfgröße an Flamme/Zone anpassen — kleine Flamme bei kleinem Topf ist kein Mythos.
- Wasser nur so viel wie nötig erhitzen; Kessel für 1–2 Tassen statt Herd nutzen.
- Druckkochtopf für Eintöpfe und Bohnen spart massiv Zeit und Energie.
- Bei Induktion: Investieren Sie in gute, flache Böden; schlechte Töpfe mindern Effizienz.

Was Sie konkret tun sollten
1) Rechnen Sie nach: Notieren Sie Ihre aktuellen Preise (Strom und Gas) und nutzen oben genannte Formel für typische Gerichte (1 l Wasser, Braten, Eintopf).
2) Schauen Sie auf Ihr Kochverhalten: Kochen Sie häufig für viele Personen? Dann lohnt oft Induktion wegen schnellerer Wärmeübertragung und besserer Temperaturkontrolle.
3) Prüfen Sie staatliche Förderungen und regionale Tarife. In Deutschland gibt es laufend Programme für effiziente Küchengeräte oder Anreize beim Wechsel zu elektrischer Wärme.
Mein Fazit
Es gibt kein allgemeingültiges „Gas ist immer billiger“ oder „Strom ist die Zukunft“-Urteil. Im Jahr 2025 entscheidet Ihr lokaler Tarif und Ihr Kochstil. Wenn Sie oft schnell kochen und auf Luftqualität achten wollen, ist Induktion attraktiv. Wenn Ihr Gaspreis niedrig bleibt und Sie keine neuen Töpfe kaufen wollen, kann Gas die sparsamere Lösung sein. Nehmen Sie die Rechnung selbst in die Hand — und probieren Sie einige der oben genannten Spartricks aus.
Haben Sie eigene Erfahrungen oder eine Rechnung gemacht? Teilen Sie Ihre Zahlen und Tipps in den Kommentaren — das hilft anderen Lesern bei der Entscheidung.









